<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<rss version="2.0" xml:base="http://old.blankmagazin.at" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
<channel>
 <title>ältere menschen</title>
 <link>http://old.blankmagazin.at/taxonomy/term/97</link>
 <description>The taxonomy view with a depth of 0.</description>
 <language>de</language>
<item>
 <title>&quot;Wort&#039;, i gib da mei Nummer!&quot;</title>
 <link>http://old.blankmagazin.at/geschichten/allein_und_doch_nicht_einsam</link>
 <description>&lt;p&gt;„Wissen‘s, i hob ja niemand mehr zum Reden. Jetzt ruaf i hoit wen aun, dass i plaudern kann.“ Ottilie Harler, 83, lebt nun schon seit einigen Jahren im Heim. Oberschwester Barbara hat mich durch lange Gänge in das etwa zehn Quadratmeter große, karg eingerichtete, aber helle Zimmer in einem Pensionisten- und Pflegeheim in &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Eggenberg_(Graz)&quot; title=&quot;Graz-Eggenberg bei wikipedia&quot;&gt;Graz-Eggenberg&lt;/a&gt; geführt. Ottilie Harler teilt sich den Raum mit einer zweiten Frau, „aber die kaun scho seit sie kommen is nimma reden und is bettlägerig“, erzählt sie. Die 83-Jährige ist auffällig gut gekleidet. Ihre Blicke schweifen zum Besuch, der hinter ihr sitzt - „ein alter Bekannter und guter Freund“.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Damit sie Kontakte zu Familie und Freunden pflegen kann, hat die Tochter ihr vor vier Jahren ein &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Mobiltelefon&quot; title=&quot;Mobiltelefon bei wikipedia&quot;&gt;Mobiltelefon&lt;/a&gt; geschenkt – und sie organisiert auch alles. „Mei Tochter nimmt die ganzen Zettl, also die Handyrechnungen und so, hoit mit nach Haus, des mocht olles sie“, erzählt Ottilie Harler. Und sie selbst, hat sie sich denn am Anfang schwer getan, mit dem Handy? Das Telefonieren falle ihr leicht, erzählt sie. „Owa wann‘s Handy zum Aufloden is, wann i’s versäumt hob, mit der Codenummer &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Pers%C3%B6nliche_Identifikationsnummer&quot; title=&quot;PIN-Code bei wikipedia&quot;&gt;Codenummer&lt;/a&gt;, do komm i net zam. Do muss i drücken, do, des ham‘s ma scho drei Mal oder was Gott wie oft erklärt, do komm i net mit. Jetzt is es noch an. Solang i waß, dass no was do is, dann steck i‘s vorher an und dann geht‘s eh weiter. Owa wenn i des versäum ...“&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Trost über das Handy&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Übermäßig viel telefoniere sie nicht, aber wenn es ihr  nicht gut gehe, oder sie Langeweile verspüre, dann greife sie zum Handy. „Die Tochter, den Sohn, a Nichte, und de Schwester, und … net vü mehr!“ Mit diesen vertrauten Personen telefoniere sie schon regelmäßig, auch die Nummern der Enkel habe sie gespeichert. „Und so wie mein Sohn, der is vü auswärts, hauptsächlich in &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland&quot; title=&quot;Deutschland bei wikipedia&quot;&gt;Deutschland&lt;/a&gt;, in &lt;a href=&quot;http://www.hamburg.de/&quot; title=&quot;Hamburg im Web&quot;&gt;Hamburg&lt;/a&gt; oder &lt;a href=&quot;http://www.berlin.de//&quot; title=&quot;Berlin im Web&quot;&gt;Berlin&lt;/a&gt;, do kann i mit ihm so reden, wie wir do reden. Und des genügt jo“, sagt Frau Harler und entschuldigt sich im selben Atemzug für das Zittern, das sie ab und an unerwartet überkommt - sie hat &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Parkinson-Krankheit&quot; title=&quot;Parkinson-Krankheit bei wikipedia&quot;&gt;Parkinson&lt;/a&gt;. Und dann erzählt sie, dass sie manchmal auch noch übers Handy mit Familienangehörigen und Freunden in &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Italien&quot; title=&quot;Italien bei wikipedia&quot;&gt;Italien&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Jugoslawien&quot; title=&quot;Jugoslawien bei wikipedia&quot;&gt;Jugoslawien&lt;/a&gt; und sogar in &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Kanada&quot; title=&quot;Kanada bei wikipedia&quot;&gt;Kanada&lt;/a&gt; spricht. Also telefoniert sie sozusagen mit der ganzen Welt? Dieser Gedanke gefällt Ottilie Harler. Sie lacht laut auf und nickt.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;“Raffiniert bin i net damit.”&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/SMS&quot; title=&quot;SMS bei wikipedia&quot;&gt;SMS&lt;/a&gt; schicken oder die anderen Funktionen eines Handys nutzen – das geht Ottilie Harler dann doch zu weit: „Jo, owa so wie jemandem schreiben oder so.“ Schelmisch sieht sie mich an und frohlockt mit hoher Stimme: „I man, raffiniert bin i net damit!“ Aber es reicht, um sich weniger allein und &quot;angebunden&quot; zu fühlen. Obwohl: „Früher hob ma des a net ghobt, des Handy“. Aber damals sei ohnehin alles einfacher gewesen. „Heit kennans net amoi wo hingehen, wenn‘s net vorher aunruafen. Früher is ma afoch kumman und wor durt.“ Ottilie Harler lacht erneut und bedankt sich sogar noch für das Gespräch.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Lebensfreude trotz Lebensleid&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Oberschwester Barbara führt mich zu einem anderen Zimmer. „Griaß di“, ertönt eine etwas schwer verständliche, aber freundliche Stimme, als ich den Raum betrete. „I heiß Ingeborg Gurker, kaunst ruhig Du zu mir sogn“, begrüßt mich eine Dame Mitte 60. Ein Einzelzimmer, im Fernseher vor dem Bett läuft die Familienserie eines deutschen &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Privatfernsehen&quot; title=&quot;Privatfernsehen bei wikipedia&quot;&gt;Privatsenders&lt;/a&gt;. 
An der Wand hängen Bilder von Verwandten, in der Ecke steht ein helles Holzregal mit persönlichen Gegenständen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Überrascht, aber sichtlich erfreut über meinen Besuch, erzählt mir Ingeborg, dass sie behindert ist und von Geburt an nicht allein gehen kann: „I hob ka Gleichgwicht. Des geht nur in Begleitung, owa es hot hoit kana Zeit für mi“, schildert sie ihr Leid. Somit bleibt ihr nur der Fernseher und das Mobiltelefon - als Verbindungen zur Welt draußen. 
Außerdem fällt es Ingeborg Gurker auch schon seit Kindestagen schwer, wenn sie längere Zeit sprechen muss.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Trotzdem oder gerade deswegen telefoniert Ingeborg gerne, ihr Handy hat sie schon seit fünf Jahren. „Jetzt telefonier i hoit billig“, freut sich Ingeborg. „Früher hob i 150 Euro zoit, is jedes Monat sovü gwesen. Guat, und daun hob I hoit mei Mutti bearbeitet und sekkiert, dass sie ma a Handy kauft. Und jetzt zoi i weniger, des höchste worn 70, 80 Euro, eben mit dem Billigtarif.“ Ingeborg schiebt ihre Brille zurecht, nimmt einen kräftigen Schluck aus ihrem Schnabelbecher.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das viele Sprechen strengt sie an. Trotz ihrer körperlichen Einschränkungen kann sie das Handy leicht bedienen, nur manchmal machen die Hände nicht richtig mit: „Do schoit i des Handy ein, do druck i do und owe wo I hoit hinwü, is gaunz leicht. Es foit ma hoit meistens owe a, des Handy, owa des muast hoit in Kauf nemma. Daun muas i hoit da Schwester läutn, dass ma´s aufhebt. Owa sonst hob i ka Problem damit.“&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Der Kampf mit der Einsamkeit&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Ingeborg freut sich über den Besuch, sie leidet unter ihrer Einsamkeit. „Waunst wüst, kaunst mi jo öfters besuchen kommen?“, fragt sie mich sehnsüchtig. „Wenn do wer wär, der mehr Zeit für mi hätt“, klagt sie, den Blick zum Fenster hinaus, „daun wars net so fad den gaunzen Tog.“ Aber sie tröstet sich: „So ruaf i hoit wen au.“ Das Handy ist für Ingeborg die einzige Möglichkeit, soziale Kontakte regelmäßig zu pflegen. „I bin scho froh, dass i des Handy hob.“ Klar, dass wir unsere Nummern austauschen: „Wort, i gib da mei Nummer. Du kaunst ma deine daun eh a glei einspeichern. Ingeborg has i, oiso meine Freind sogen Inge, do wast eh glei, wos los is,“ lacht Inge laut. Und freut sich über einen weiteren Kontakt, den sie über ihr Handy erreichen kann.&lt;/p&gt;
</description>
 <comments>http://old.blankmagazin.at/geschichten/allein_und_doch_nicht_einsam#comments</comments>
 <category domain="http://old.blankmagazin.at/taxonomy/term/97">ältere menschen</category>
 <category domain="http://old.blankmagazin.at/taxonomy/term/60">digital</category>
 <category domain="http://old.blankmagazin.at/taxonomy/term/191">erreichbarkeit</category>
 <category domain="http://old.blankmagazin.at/taxonomy/term/51">handy</category>
 <category domain="http://old.blankmagazin.at/taxonomy/term/149">mediennutzung</category>
 <category domain="http://old.blankmagazin.at/mensch">Mensch</category>
 <category domain="http://old.blankmagazin.at/taxonomy/term/96">mobil</category>
 <category domain="http://old.blankmagazin.at/taxonomy/term/182">mundart</category>
 <pubDate>Tue, 24 Jun 2008 19:32:01 +0200</pubDate>
 <dc:creator>Jürgen Hofer</dc:creator>
 <guid isPermaLink="false">36 at http://old.blankmagazin.at</guid>
</item>
</channel>
</rss>

