Vom Home-TV zum Taschenfernsehen
Die Fußball-Europameisterschaft macht‘s möglich: Österreich startet mit dem neuen DVB-H-Übertragungsstandard in ein neues Fernsehzeitalter. Und die Mobilfunkbetreiber hoffen auf die Begeisterung der Handy-Fans. Zwar streiten sich die verschiedenen heimischen Handynetzbetreiber noch darüber, welcher Übertragungsstandard (DVB-H, DVB-T, UMTS, …) sich durchsetzen wird. Doch das ist ohnehin zweitrangig. Dass Handy-TV langfristig ein Erfolg wird, ist laut Experten wie dem deutschen Zukunftsforscher Andreas Steinle nämlich sicher. Denn „Fernsehen ist nun einmal eine Lieblingsfreizeitbeschäftigung der Menschen. Und Handy-TV kombiniert diese Beschäftigung mit dem Megagtrend Mobilität“, so Steinle.
Zappen am Handy
Die entscheidende Frage ist also: Wie wird die neue Art des Fernsehens unseren Alltag beeinflussen? Immerhin spricht etwa Alexander Koppel vom österreichischen Mobilfunkanbieter „3“ euphorisch von einer „Kulturrevolution“. Vor allem in der „Lieblingstelefonzelle“ der Österreicher, der Straßenbahn, werden wir uns bald über neue Belustigung erfreuen dürfen. Hier wird Handy-TV laut einer Studie des Wiener Publizistik-Instituts nämlich am stärksten genutzt - und auch während man auf die Tram, den Bus oder auf einen Bekannten wartet.
Mit dem Handy-TV wird Fernsehen also zum Zwischendurchmedium – und dadurch zur direkten Konkurrenz von iPod, Zeitung, Buch und Co. Damit ändert sich auch das Sehverhalten. Laut der Studie des Wiener Publizistik-Instituts wollen drei Viertel der User am Handy vor allem kurze Sendungen sehen – mit einer Länge zwischen einer und sieben Minuten.
Kein Krieg um die Fernbedienung
Andere Studien bestätigen das nicht. Laut Alfred Grinschgl, dem Leiter der Rundfunkregulierungs-Gesellschaft RTR, belegen sie, dass die meisten (51 Prozent) der Handy-TV-Nutzer am liebsten zu Hause in die mobile Mini-Glotze schauen. Die Folge für Familien: Jeder zieht sich mit seinem Handy zurück und schaut allein aufs Display – ein weiterer Schritt zur Individualisierung. Für Hubert Nowak vom ORF ist diese Entwicklung „nicht reversibel“. Und Hannes Ametsreiter von A1 erklärt: „Das Fernsehen entwickelt sich von einem klassichen Haushaltsmedium zu einem Individualmedium.“
Noch gut in Erinnerung ist die Sorge von Soziologen und Psychologen vor einigen Jahrzehnten, das Fernsehen würde die Kommunikation in der Familie zerstören. Der Fernseher würde zum neuen Mittelpunkt des Familienlebens, so die Befürchtung damals. Und wirklich, zwar kommt die Familie seitdem noch immer im Wohnzimmer zusammen; doch statt wie in „guten alten Zeiten“ um den Kamin zu sitzen und miteinander zu reden, glotzen alle nur auf den flimmernden, elektronischen Ersatzkamin in der Ecke. Heute ist die Aufregung über diesen „Kommunikationstöter“ schon lange verflogen. Längst sind mehrere Fernseher pro Haushalt üblich. Es ist normal, nach Hause zu kommen und sich vor den eigenen Fernseher zurückzuziehen oder vor den Laptop, um zu arbeiten oder mit kilometerweit entfernten Freunden zu kommunizieren.
Handy-TV ist nun also der logische nächste Schritt. Noch weniger als zuvor braucht man sich auf ein Programm zu einigen, alle sind zufrieden, keiner muss mehr mit dem anderen reden, oder lernen, Rücksicht auf jemanden zu nehmen. Man hat nun beim Fernsehen die gleichen Vorteile wie beim „Handyfonieren“, bei dem Sätze wie „Hallo, da spricht der Max. Ist die Angelika vielleicht da?“ schon längst der Vergangenheit angehören.
Interaktivitäts-Euphorie
Mit dem neu eingeführten Handy-TV-Standard ist nun auch erstmals wirklich interaktives Fernsehen möglich (über DVB-H in die eine Richtung und UMTS in die andere).
Branchenkenner wie Ametsreiter sind begeistert von dieser „starken Entwicklung zur Interaktivität“, doch auch hier gibt es Skeptiker. Berthold Heil von Media Broadcast etwa findet die Euphorie überzogen. „Der Mensch ist grundsätzlich bequem und möchte überrascht werden. Das bietet klassisches, passives Fernsehen nun einmal und das wird auch so bleiben.“ Heil weiter: „Interaktivität wird zwar eine immer größere Rolle spielen, sich jedoch eher auf Votings, Gewinnspiele und dergleichen beschränken.“
Das Handy als Multitool
Einig sind sich viele Experten aber darin, dass das Handy in wenigen Jahren die Kommunikationsplattform Nummer Eins sein wird. Ihre Prognose: Handy-TV wird wie die meisten technischen Neuerungen eine Ergänzung, aber kein Ersatz für bestehende Medien werden. Der nächste Schritt steht mit der Livestreaming-Software QIK schon in den Startlöchern. Dann bedeutet Handy-TV nicht nur, mit dem Handy fernzusehen, sondern auch mit dem Handy Videos fürs Handy zu produzieren und weltweit live zu senden.


kein grund zur euphorie
handy-tv gibt keinen plausiblen grund, euphorisch zu sein. euphorisch sind die, die hoffen, mit handy-tv geld machen zu können. so ähnlich wie bill gates immer euphorisch war, wenn er über internet und digitalisierung sprach oder so euphorisch, wie es alexander wrabetz war, als er dvb-t bewarb. die freude ist marketing-getrieben. wirklich revolutionen finden alle paar jahrzehnte statt. und handy-tv gehört eher nicht dazu.
Handy-TV wird überbewertet - wenn überhaupt
dieses handy-tv halte ich für völlig überbewertet, wenn nicht sogar sinnlos. und ich sehe auch keine große zukunft darin, aber vielleicht irre ich mich ja auch. in deutschland sollte die wm 2006 den großen handy-tv-durchbruch bringen. hier redet keiner mehr davon. und ich hab auch noch keine gesehen, der neben mir im bus oder in der s-bahn fernsieht. und im zeitalter des iPhones ist handy-tv noch überflüssiger geworden. denn warum jeden scheiß sehen, wenn ich mir das, was mich interessiert einfach aus dem netz saugen kann und dann dort auf dem iPhone oder auch auf dem iPod angucken kann? und Qik mit handy-tv zu vergleichen, halte ich für völlig falsch. streaming ist für mich was komplett anderes als dvb-h. und ich brauch dafür ja auch schließlich kein dvb-h-standard...