Privatsphäre im Web 2.0

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Selbstoffenbarung im Web 2.0

Sie haben sich intensiv mit dem Web 2.0 und der computervermittelten Kommunikation beschäftigt. Was sind dabei die wesentlichen Unterschiede im Vergleich zur persönlichen Kommunikation?

Bei computervermittelter Kommunikation weiß man weniger über die Gesprächspartner. Je nach Art der Kommunikation, etwa E-Mail, Chat oder Interaktion in einer virtuellen Welt wie Second Life, stehen mehr oder weniger Informationen zu den beteiligten Personen zur Verfügung. Man weiß häufig nichts über das Alter, Geschlecht oder den sozialen Status des Gegenübers. Kommunikation im Netz wird im Vergleich zur face-to-face-Kommunikation daher in der Regel als anonymer und oft auch als unverbindlicher empfunden. Welchen Einfluss hat diese Anonymität auf die Kommunikation?

Viele Nutzer des Internets sind online stärker bereit, sich selbst zu offenbaren als im Offline-Gespräch. Anonymität spielt dabei sicher eine wichtige Rolle. Insgesamt wird computervermittelte Kommunikation als kontrollierbarer erlebt – im Vergleich zu sozialen Interaktionen in der Alltagswelt. Nutzer können selber darüber entscheiden, welche Aspekte ihrer Person sie im Internet präsentieren wollen. Anonym fühlen sie sich sicher: So lange meine wahre Identität im Netz nicht zurückverfolgbar ist, sind keine negativen Konsequenzen der Selbstdarstellung im Internet zu befürchten.

Social Networking Sites

Schwieriger ist die Situation etwa bei Social Networking Sites, auf denen die große Mehrheit der Nutzer ihre wahre Identität preisgibt. Auch in diesen Internet-Kontexten ist die Bereitschaft zur Selbstoffenbarung in der Regel aber trotzdem noch recht hoch. Viele Nutzer machen Angaben zu ihrer politischen Gesinnung, ihrer sexuellen Ausrichtung oder stellen private Fotos ins Netz. Da in diesem Bereich des Social Web die Anonymität der Nutzer eben nicht gewährleistet ist, sind die Konsequenzen von Selbstoffenbarung viel schwerer zu kalkulieren.

Einerseits sprechen wir heute vom individualisierten Menschen – andererseits sind im Internet zahlreiche „Communities” erfolgreich oder auch Gruppen, denen man beispielsweise auf facebook oder StudiVZ beitreten kann. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären? Den meisten Nutzern geben Social Networks sicher eine willkommene Hilfestellung, ihre bestehenden Kontakte zu pflegen, miteinander in Verbindung zu bleiben und sich nicht aus den Augen zu verlieren. Sozialkapital, also die Summe der Beziehungen, die wir in unserem Leben aufbauen und auf die wir nach Bedarf zurückgreifen können, sind auch in Zeiten wachsender Individualisierung eine wichtige Ressource.

Partner fürs Leben?

Für viele geht es nicht nur um Freundschaften, sondern um den Partner fürs Leben, den sie im Internet suchen. Worauf lässt sich der Erfolg von Online-Partnerbörsen zurückführen? Da spielen eine Menge unterschiedlicher Faktoren eine Rolle. Wichtig ist zum einen die große Auswahl potentieller Partner. Im Internet können die Profile der übrigen Mitglieder in Ruhe studiert und nach interessanten Kandidaten gesucht werden. Im Alltagsleben müssten all diese privaten Informationen zu den Interessen und Einstellungen der entsprechenden Person erst mühsam beschafft werden, immer mit dem Risiko verbunden, schon bei der ersten Kontaktanbahnung auf Ablehnung zu stoßen. Online-Partnerbörsen liefern für dieses erste Ausloten einen geschützten Rahmen, in dem sich Nutzer risikolos nach einem geeigneten Partner auf die Suche machen können. Wie sehr hat sich unser Verständnis von Privatsphäre bereits verändert und wie könnte es sich in Zukunft noch verändern?

Langzeitwirkung privater "Online-Offenbarung"

Die Langzeitwirkung der ständigen Verfügbarkeit privater Informationen im Web ist aus wissenschaftlicher Perspektive noch nicht absehbar. Bisher fehlen Studien, die Nutzer des Web 2.0 über einen längeren Zeitraum begleiten und die Wirkung der privaten Selbstoffenbarung im Social Web erforschen. Denkbar sind verschiedene Szenarien: Die Nutzung des Social Web könnte zu einer verringerten Hemmschwelle in Bezug auf die Offenbarung intimer Informationen führen. Andererseits ist das Social Web ein junges Medium. Mit wachsender Erfahrung und zunehmender Medienkompetenz der Nutzer könnten sich soziale Normen für einen besonnenen Umgang mit privaten Daten im Netz entwickeln.

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