Irgendwie Irgendwo Irgendwann

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Das Hyatt Hotel in Manhattan. Wir schreiben das Jahr 2003. Wie aus dem Nichts tauchen hunderte Menschen auf und versammeln sich auf der Galerie des New Yorker Nobelhotels mit Blick auf die Lobby. Anwesende haben keine Ahnung, was sie jetzt erwartet.

Plötzlich erhebt sich ein lautes Klatschen, das 15 Sekunden lang durch den Raum hallt. So schnell wie die Menschen gekommen sind, verschwinden sie auch wieder. Der Alltag ist ruckartig zurückgekehrt. Ist die Aktion damit vergessen?

Was war das?

Einer der ersten Flashmobs ist soeben über die Bühne gegangen. Den Flashmob, zu Deutsch “Blitzauflauf”, gibt es bereits seit ein paar Jahren. Gestartet in Amerika, schwappte er auch bald auf Europa über und verbreitete sich zusehends auf der ganzen Welt.

Spontan sammeln sich Menschen – irgendwie, irgendwo, irgendwann. Nur über ein Handy oder das Internet werden sie über Zeit- und Treffpunkt informiert, Details gibt es dann vor Ort. Öffentliche oder auch halböffentliche Plätze sind Tatort dieser skurrilen Aktionen. Sozusagen “All in a Flash: Meet, Mob, Move”, wie es der Journalist Maureen Ryan von der Chicago Tribune ausgedrückte. Wie eine kleine Show – und schon verschwinden die Massen wieder im Nichts.

Bill Wasik, Begründer der ersten Flashmobs, hatte lediglich die Absicht, “hippe Leute vorzuführen, die in einer Atmosphäre der Konformität nur danach strebten, Teil der ‘nächsten großen Sache’ zu werden, egal wie sinnfrei diese auch sein mag.” Ursprünglich waren diese Mobs also reine Spaßaktionen und dienten keinem politischen oder künstlerischen Zweck. “Menschen sind so formbar, dass sie alles tun würden, wenn man ihnen sagt, dass es cool ist”, so Bill Wasik.

Aufgrund der zahlreichen Medienberichte ließen Nachahmungen nicht lange auf sich warten. Nach und nach begannen Aktivisten den Flashmob als wirksames Instrument der öffentlichen Kundgebung zu entdecken. Was zuerst eine Mischung aus Spaß, Rebellion, kollektivem Handeln und Kunst war, wurde politisch.

Weg zum Weltfrieden?

Bei einem Mob in Weißrussland führte eine Aktion sogar zu Verhaftungen. Das osteuropäische Land, die letzte Diktatur in Europa, verbietet seinen Bürgern jegliche Form des öffentlichen Protests.

Im Oktober 2006 versuchte eine Gruppe Jugendlicher mit einem Flashmob auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Dazu trafen sie sich auf einem Platz in Minsk und aßen Eis. Was in den meisten europäischen Ländern kaum aufgefallen wäre - schon gar nicht als politischer Akt -, führte in der weißrussischen Hauptstadt zu zahlreichen Verhaftungen. Der Grund: Organisierte öffentliche Versammlung. Und somit verboten.

„Der Versuch, Massen zu mobilisieren um sich politisch auszudrücken, ist ein experimenteller Teil der politischen Philosophie“, so Clay Shirky, Experte für die sozialen und ökonomischen Effekte des Internets. „Wir haben ein Zeitalter erreicht, in dem die Technologien an sich nicht mehr interessant sind, vielmehr wie man sie sozial nützen kann.”

Heutzutage stehen also laut Shirky nicht mehr die technischen Neuheiten von Internet und Handy im Vordergrund, sondern vielmehr die Frage, welche sozialen Auswirkungen diese auf die Gesellschaft haben. Die Revolution besteht nicht darin, dass Menschen neue Tools verwenden, sondern vielmehr in deren Ubiquität. Diese Allgegenwärtigkeit verändert soziales Handeln - und das kann laut Shirky wiederum die Welt verändern.

Wien flasht:

Auch in Wien gab es bereits erste Flashmobs. Im November 2007 rief die Künstlergruppe monochrom zum Zombie-Lauf durch die Mariahilferstraße auf. Über das Internet wurde ein Treffpunkt vereinbart. Anschließend bekamen dann alle Teilnehmer schriftliche Anweisungen über den Ablauf. Geschminkt und als Zombies verkleidet stürmten sie dann die Straße, um den Ernstfall zu proben: Die Toten kehren auf die Erde zurück. “Es handelt sich hier um eine Zivilschutzübung”, so Johannes Grenzfurthner von monochrom. Hier ein Bericht des Wiener Fernsehsenders Puls TV dazu:

Im Gegensatz zu Weißrussland war dieser Mob in keiner Weise politisch, sondern vielmehr künstlerisch zu verstehen. Weitere Aktionen sind geplant. Auch in anderen Bundesländern gibt es dazu bereits Plattformen, so findet man etwa im StudiVZ eine “Flashmob in Graz”-Gruppe. Und in Salzburg sind drei Flashmob-Gruppen im StudiVZ vertreten.

Dass es keine Kontrolle für Mobs gibt, musste auch die Polizei in Leeds erfahren. Sie wollten eine Polsterschlacht, zu der über Facebook aufgerufen wurde, verhindern. Da der Zweck eines Mobs aber gerade das Unvorhergesehene ist, sind sie tatsächlich nicht kontrollierbar.

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