Bau mit am Netz für alle!
Die Überraschung ist groß: ein großer Raum, ein paar uralte Computer, eine durchgesessene Couch, ein kleiner Kühlschrank. Die erwartete Coolness fehlt. Im Grazer Jugendzentrum Spektral sieht‘s eher gemütlich aus. Nichts deutet darauf hin, dass sich hier regelmäßig Technikfreaks treffen, um an einem überdimensionalen WLAN zu bauen. Das Netzwerk nennt sich Funkfeuer und breitet sich bereits über weite Teile von Graz aus. Jeder kann teilnehmen. Man muss sich nur registrieren und sich am Ausbau des Netzwerkes beteiligen, sprich: eine Antenne aufstellen.
Wer das Funkfeuer jedoch nur mit Gratisinternet verbindet, versteht den Sinn der Sache nicht. Zwar verfügt man über eine leistungsstarke 4MBit-Leitung ins weltweite Netz, bei etwa 150 Usern ist das Netz aber schnell überfordert. Deshalb verstehen sich die Funkfeurer nicht als Konkurrenz zu den kostenpflichtigen Internetanbietern. „Das kostenlose Internet ist nur ein Bonus! Vielmehr geht es darum, eine freie Infrastruktur in Graz aufzubauen, die man nicht regulieren und auch nicht abschalten kann“, erklärt Christian Pointner, ein erfahrenes Mitglied.
Die WLAN-Technologie wird verwendet, da bei ihr keine Kabel zu verlegen sind. Es ist viel einfacher, sich per Funk über die Dächer hinweg zu vernetzen. Mit klassischen Hotspots ist Funkfeuer nicht zu vergleichen. Zwar werden die gleichen Router verwendet, die Antennen selbst sind jedoch meist „Marke Eigenbau“. Um eine solche Antenne zu bauen, haben wir uns noch einmal im „Realraum“, einem Seminarraum für Technikfreaks, getroffen.
Zutritt ins zweite Quartier von Funkfeuer bekommt man nur mit Chipkarte – dass das ganze selbst gebaut wurde, merkt man aber sofort. Der „Realraum“ erinnert eher an einen Heimwerkerkeller als an ein Computerlabor. Alte Computerteile und selbstgebastelte Antennen liegen herum und an einem Tisch finden sich eine Dose, ein N-Stecker und ein Stück Kupferdraht.
Auf die Kosten der Bauteile angesprochen, sagt Thomas Fink: „Die Dose bekommt man beim Türken. Das einzige Kriterium ist, dass sie genau zehn Zentimeter Durchmesser haben muss.“ Wir verwenden eine Frischkäse-Dose. Das einzige gekaufte Bauteil ist der N-Stecker (drei Euro). Um die Antenne zu bauen, braucht man handwerkliches Geschick.
Wichtig: der Durchmesser der Dose und die Position des gebohrten Loches. Stimmen diese Parameter nicht, wird die Antenne ungenau. Vorsicht! Jede Delle verändert die Eigenschaften der Antenne. Ebenfalls heikel: Es müssen genau 31 Millimeter Draht mit dem N-Stecker verlötet werden. Dabei muss der Draht gerade bleiben. Ungenauigkeit kann die Antenne zerstören. Schließlich wird der Stecker mit der Dose verlötet.
Jetzt halte ich meine erste selbstgemachte Antenne in der Hand. Ihre Sendeleistung entspricht einem WLAN-Netz (mehr ist nicht erlaubt), sie reicht aber weiter als ein WLAN-Knoten, immerhin eineinhalb Kilometer. Eine Distanz, die auch Jodler überbrücken können.






tolle Idee
echt spannendes Thema und spannender Artikel! Die Geschichte ist zwar wirklich was für Idealisten, hätt ich aber auch nur ein Fünkchen technisches Talent, wär ich dabei!