100 Gramm Freiheit
„Ja, ich hatte eines. Ich wusste, dass es illegal ist, aber ich habe es bewusst riskiert. Meine Tochter hatte Depressionen, und mit Hilfe des Handys konnte ich ihr gut zureden“, erzählt Franz K. (Name geändert). Der 51-Jährige sitzt seit sieben Jahren wegen Mordes – elf hat er noch vor sich.
Es ist neun Uhr vormittags und die Regenwolken der vergangenen Nacht ziehen über die Stadt hinweg. Der Raum, in dem das Gespräch stattfindet, wirkt wie ein lieblos eingerichtetes Wohnzimmer – einzig die dicken Gitterstäbe vor dem Fenster erinnern daran, dass es sich um ein Gefängnis handelt. „Wenn man es nicht selbst erlebt hat, kann man sich nicht vorstellen, wie es ist, eingesperrt zu sein. Der erlaubte Kontakt zur Außenwelt reicht mir nicht.“
Franz K. war es gewöhnt, jederzeit erreichbar zu sein. Als Bordell-Besitzer hatte er sogar zwei Handys, eines davon hat er drei Jahre lang kein einziges Mal ausgeschaltet.
Gilt ein tolles Handy „draußen“ auch als Statussymbol, läuft es im Knast anders: „Hier fragt keiner nach der Marke oder wie das Handy aussieht – Hauptsache, es funktioniert.“ Und der Preis für ein Mobiltelefon ist auch deutlich höher als am freien Markt: „Ich habe 150 Euro für einen ‚alten Schinken’ bezahlt, in Zigaretten. Das ist der normale Preis hier drin.“
Ein gutes Geschäft für jene, die die Handys in die Karlau schmuggeln, immerhin finden die Justizwachebeamten 60 bis 70 Mobiltelefone pro Jahr in den Zellen – die Dunkelziffer ist nach Angaben der Anstaltsleitung deutlich höher.
Kontakt ohne Kontrolle
Dass Handys im Strafvollzug so beliebt sind, wundert Willibald Schmid, Leiter des Psychologischen Dienstes in der Justizanstalt, nicht: „Das Handy ist das Gegenteil von Gefängnis, es bedeutet für die Insassen ein Stück Freiheit. Mit dem Handy kann der Gefangene seine Kontakte frei wählen und frei kommunizieren. Zwar können sie über Telefonzellen Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen, doch dieser Kontakt ist kontrolliert und beobachtet.“
Teuer sind sie auch, die offiziellen Telefonzellen: 50 Cent pro Minute müssen die Häftlinge zahlen, Telefonate ins Ausland kosten noch mehr - das macht das Handy attraktiv.
„Natürlich kann ich es nachvollziehen. In der Welt draußen ist das Handy ein täglicher Gebrauchsartikel. Und die meisten Insassen rufen damit ihre Frau oder ihre Kinder an, um zu sagen ‚Hallo, wie geht’s dir?’“. Sascha Imgraben ist Abteilungskommandant der Sonderabteilung für geistig und psychisch abnorme Rechtsbrecher. Er versteht das Bedürfnis der Gefangenen nach Kommunikation – in „seiner“ geschlossenen Abteilung wird er „dafür bezahlt, zuzuhören, wenn es jemandem schlecht geht“.
Dass regelmäßige, unüberwachte Gespräche mit nahestehenden Menschen für die Insassen durchaus positive Effekte haben können, glaubt auch der Psychologe: „In einer Krise kann ein Gespräch mit einem Angehörigen oft mehr Hilfe bieten als ein Professionist.“
Franz K. kennt die Situation: „Ich hab hier niemanden, mit dem ich sprechen kann. Der Psychologische und der Soziale Dienst sind überlastet. Unter den anderen Insassen habe ich keinen gefunden, mit dem ich wirklich ehrlich reden kann.“ Er bemüht sich um eine gelassene Gestik, doch immer wieder bohren sich seine Fingernägel nervös in seine Haut. „Draußen habe ich nur mehr meine zwei Kinder. Der Kontakt zur Familie, wenn man lange eingesperrt ist, ist so wichtig. Vor kurzem bin ich sogar Großvater geworden!“ Ein Lächeln huscht über sein sonst so ernstes Gesicht, das von tiefen Falten auf der Stirn gezeichnet ist.
„Die Besuchszeiten gehen immer so schnell vorbei, und dann kommst du zurück in die Tristesse der Einzelhaftzelle.“ Die offenherzigen, blauen Augen beginnen, Mitleid zu erwecken. Es fällt schwer zu akzeptieren, dass man einen Mörder vor sich sitzen hat. Franz K. hat sich für den Termin herausgeputzt, extra ein Hemd angezogen. Höflich und zuvorkommend schließt er das Fenster, als es draußen zu laut wird. Ob er weiß, wie die Handys herein geschmuggelt werden? „Die Frage würde sich hier keiner gefallen lassen. Aber ich habe gehört, dass sie über die Mauer geworfen werden.“
Kreative Schmuggel-Methoden
Das bestätigt auch Imgraben: „Weil sich unser Gefängnis mitten in der Stadt befindet, kommen viele Dinge über die Mauer. Aber auch beim Besuch oder über Freigänge wird geschmuggelt – also über Schlepper.“ Schlepper schlucken die Handys als ganzes oder in Einzelteilen, oder führen das Schmuggelgut rektal ein. Die Methode erstaunt den erfahrenen Justizwachebeamten nicht: „Wir haben auch schon im After versteckte Rasierschaumdosen gefunden, da haben Handys auch Platz.“
Zum Teil kommt das Schmuggelgut sogar über Rechtsanwälte und Therapeuten in die Anstalt, wie Bezirksinspektor Thomas Held erzählt: „Ich möchte jetzt zwar niemandem etwas unterstellen, aber es kam schon vor; etwa Übergaben von Lottoscheinen oder Geld.“
Den Schmuggel völlig zu verhindern, sei trotz Sicherheitskontrollen in der Realität nicht machbar: „Man könnte natürlich viel intensiver visitieren, da müsste sich allerdings jeglicher Besuch für die Insassen komplett entblößen und wir müssten wirklich in allen Körperöffnungen Nachschau halten. Das wäre irrsinnig aufwändig; zum Teil machen wir es schon, aber meistens müssen wir uns darauf verlassen, dass die Kollegen in den Besuchsräumen besonders aufmerksam sind.“
Sind die Handys erst einmal erfolgreich in die Justizanstalt geschmuggelt worden, haben es die Justizwachebeamten nicht leichter, denn die Insassen sind sehr erfindungsreich: Sie verstecken die Telefone in ausgehöhlten Büchern, Fernsehern, Radioboxen, Dosen mit doppeltem Boden oder ausgehöhltem Brot.
In jeder Zelle befindet sich außerdem eine Waschgelegenheit für die Insassen. „Die Ablage unter dem Spiegel lässt sich ganz leicht abschrauben, dahinter kann man viel verstecken. Unsere Häftlinge sind auch sehr geschickt darin, Dinge in der Wand zu verstecken“, erklärt Imgraben, während er durch leises Klopfen an die Fliesen demonstriert, wie die Beamten nach Hohlräumen suchen. „Auch der Blumentopf ist natürlich ein Klassiker.“
Technische Unterstützung bei der Suche nach den illegalen Geräten bekommen die Justizwachebeamten vom so genannten Handyfinder, der Handys bis auf ein paar Meter genau orten kann. Wo genau sich das Handy befindet, kann das Gerät nicht anzeigen – hier beginnt für die Beamten wieder das gute alte Stöbern.
„Verbot überdenken“
Das Gefahrenpotential des Handys innerhalb des Gefängnisses wird aber ohnehin als eher gering eingeschätzt. „95 Prozent der Insassen missbrauchen ihr Handy nicht“, ist Brigadier Franz Hochstrasser, Leiter der Justizanstalt, überzeugt. „Die meisten rufen damit wirklich ihre Familie an.“ Das generelle Handyverbot für die Gefangenen hält er nicht mehr für sinnvoll, denn: „Straftaten planen oder organisieren kann der Häftling auch anders, beim Besuch zum Beispiel. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis man sich überlegen muss, ob die Handys im Strafvollzug nicht freigegeben werden sollten.“
Auch beim im Knast verbotenen Internet macht man sich schon Gedanken für die Zukunft: „Derzeit arbeiten wir an einer Schulungsplattform, die sich Tele-Learning nennt. Sie soll es den Insassen ermöglichen, eingeschränkt im Internet zu surfen.“ Bis die Schulungsplattform voll einsatzfähig ist, wird es noch etwa ein halbes Jahr dauern.
Bei Franz K. geht die Zukunftsplanung in eine andere Richtung. Der illegale Besitz des Handys kostet ihn vielleicht die vorzeitige bedingte Entlassung. Trotzdem ist er zuversichtlich: „Ich freue mich darauf, wenn ich wieder in Freiheit bin und ein Handy habe, mit dem ich Menschen, die mir wichtig sind, einfach anrufen kann, wann ich will. Und ich habe mir vorgenommen, die kleinen Dinge des Lebens intensiver zu genießen; etwa einen Spaziergang, ein gutes Essen, Sonnenstrahlen, schwimmen gehen.“ Das riesige, graue Tor schließt sich. Es ist zwölf Uhr mittags. In der Welt draußen scheint mittlerweile die Sonne, ein SMS am Handy: “Kommst du mit in den Park?”
Info: In der Justizanstalt Graz-Karlau sitzen Verurteilte mit einem Strafausmaß von über 18 Monaten. Derzeit befinden sich in der Anstalt 538 Insassen, wovon 67 als geistig und psychisch abnorme Rechtsbrecher gelten. Die häufigsten Delikte sind Mord, Suchtmittelmissbrauch und Pädophilie. Das fünf Hektar große Gelände ist umgeben von einer 1000 Meter langen Mauer und wird u.a. von rund 120 Kameras überwacht.


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Dass Handys im Strafvollzug
Dass Handys im Strafvollzug so beliebt sind, wundert Willibald Schmid, Leiter des Psychologischen Dienstes in der Justizanstalt, nicht: „Das Handy ist das Gegenteil von Gefängnis, es bedeutet für die Insassen ein Stück Freiheit. Mit dem Handy kann der Gefangene seine Kontakte frei wählen und frei kommunizieren. Zwar können sie über Telefonzellen Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen, doch dieser Kontakt ist kontrolliert und beobachtet.“ - Thanks for the info
vor kurzem Entlassen
Ich muss "stone01" im vollsten zustimmen, über den Inhalt seiner Aussagen und den Beschreibungen über den Strafvollzug in Graz - Karlau! Ich wurde nach einer 6 jährigen Haftstrafe vor wenigen Wochen entlassen und wundere mich bis zum heutigen Tag über die Zustände in dieser Haftanstalt. Vor den Medien wird der österreichische Strafvollzug in den Himmel gelobt, was den alles mit den Häftlingen unternommen wird, um eine straffrei Zukunft zu ermöglichen. Jedoch kann ich dazu nur eines feststellen, dass "Papier ein sehr geduldiges Element ist"!
Wenn man von Justizbeamten wie einem Christian S. ausgeht, dem sein einziger Lebensinhalt darin besteht, gegen die Anstaltsleitung zu intrigieren und bei anfallenden Problemen seine Position als Personalvertreter und Parteimitglied einer unbedeuteten Partei vorschiebt, so finde ich, hat dies mit "Resozialisierung" von Strafgefangenen nichts mehr zu tun!
Dieses Organ im Ganzen, sollte sich wieder auf seine eigentliche Aufgabe besinnen und den Job verrichten, für den sie ausgebildet und bezahlt werden. Den für Spiele wie "wer hat den längeren" ist ein solcher Ort doch äußerst ungeeignet.
hinter diesen mauern
ich war bis vor kurzem hinter diesen mauern, und muee zu dem vorher geschriebenen stellung nehmen. schlägerkomandos-wie man in den wald hineinruft..... aber schlägerkomandos gibt es nicht, es gibt eine einsatzgruppe, und bei dem benehmen mancher insassen, leider notwendig. das wirklich schlimme in der karlau ist vielmehr eines!! die beamten haben in der regel einen arbeitsaufwand, der das wort arbeit nicht wert ist. natürlich haben sie eine gewisse verantwortung, aber nicht der einzelne....! die anzahl der krankenstände gibt es in der freien marktwirtschaft nie, kein arbeitnehmer würde sich das trauen. dann dieser innerliche konflikt und dieser neid untereinnander. und dann diese machtspiele zwischen dienststellenausschuss und anstaltsleitung, wobei ich hier eindeutig position für die leitung einnehmen muss. immer wieder wären vergünstigungen oder mehr freizeit für uns geplant, aber immer wieder wird das seitens der belegschaft vermieden. den die sind nicht bereit einerseits stunden einzusparen, anderseits dann für häftlinge extra dienst zu schieben(ist ja eh nicht ehrenamtlich) und jeder handgriff ist zu viel. sitzen den ganzen tag in ihren dienstzimmern, telefonieren meist eh nur privat vom handy(eigentlich nicht zulässig) und wehe dem der dann mit einer bitte kommt. dann kommen die aussagen,: ka zeit, bin im stress usw."! dass ist das wirklich mühsame in haftanstalten, aber besonders in der karlau. und vorallem diejenigen, die gewerkschaftlich tätig sind, die sind die schlimmsten. spielen stundenlang solidär oder ähnliches, warum wird das nicht mal kontrolliert. technisch ein leichtes.aber die können es sich erlauben. stacheln die insassen gegen die leitung auf, streun unfrieden untereinnander, spielen die "guten" aber arbeiten lediglich an einer instabillisierung. und arbeiten nicht für andere kollegen, sondern nur aus purer selbstüberschätzung immer gegen alles von der anstaltsleitung. und diesen kampf tragen die jetzt schon lange auf dem rücken der insassen aus und machen denen das leben noch schwerer.
für mich ist die zeit schon überstanden, aber diejenigen welche noch "drinnen sind" wünsche ich viel kraft und noch mehrere jahre personen die sich wirklich für euch einsetzen.
Insassen der JVA Graz Karlau
ich war selbst hinter diesen mauern,und glaubt mir das der großteil nur von den Beamten schön geredet wird.Es gibt Schläger Kommandos,Schikanen und Intriegen unter den Beamten die großteils an den Häftlingen ausgestanden werden.Ich sage nich das da nur "opfer" oder justiz irrtümme sitzen,nein aber es sind menschen dennen das Rückgrad "gebrochen" wird. Der Grundsatz ist :Wenn du nicht Spurst dann halt dich fest,egal ob es Familiere Probleme sind die einen insassen belasten oder einfach nur an depressionen leidet das ist da egal.wenn du laut wirst bekommst du die "Spritze",so wird die tepo spritze unter den insassen genannt.Diese Spritze macht dich zu einen Scheintoten Menschen,man hat kein Lebensziel mehr und du bist völlig abgetretten.Du kannst nichts mehr alleine machen,egal ob es das morgentliche waschen oder der gang zum wc ist.und das schlimme ist dieses "medikamment " hält sechs MONATE lang an und danach brauchst du sie wieder weil der Dr.... süchtig macht und du sonst einen entzug hast den niemand durchstehen würde. Zum Thema,Ärztliche Versorgung;da ist lächerlich egal was man hat,man bekommt die selben Tabletten für durchfall oder Rückenschmertzen,und solltest du nach abschluss der zellen etwas haben kannst bis nächsten tag leiden,das wünsch ich niemanden!!!! Das ist aller sau
Auch ich durfte mal in den
Auch ich durfte mal in den Genuss der Jva Karlau kommen und möchte gerne mal etwas dazu sagen. Niemand der das Gefühl selbst über Jahre hinweg eingesperrt zu sein hatte kann es sich nur im geringsten vorstellen. Zu sehen wie das ganze Leben auseinanderbricht,sich an Strohhalme der Hoffnung klammert,den Trott inerhalb der Mauern mit zu machen hat, Entblösungen und Erniedrigungen aller Art, den Verlust von Würde und Menschlichkeit,Anstand und Ehrgefühl,Stolz,.... nicht zu wissen wie es meinen Kindern geht,meinen Brüdern,meinen Eltern,...ich versuchte es mir in der Zeit zu "richten".Doch meine Familie zerbrach und auch heute noch, sechs Jahre nach meiner Entlassung hat der Vollzug mich nicht losgelassen und er hat mich weder resozialisiert noch in die Gesellschafft wieder eingegliedert.Was ich mitbekam ist; schwere Depressionen,Schlafprobleme,Wutausprüche,Hass auf jede Art von "Obrigkeiten" und vieles mehr. Geht in die Karlau und Ihr kommt garantiert als neuer Mensch raus, doch was das für einer ist .....